Die Geschäfts-Chronik von CHERRY

Lesen Sie in diesem Beitrag, wie sich CHERRY von der Gründung im Jahre 1953 zum aktuellen, multinationalen Unternehmen entwickelt hat – und mit was der Hersteller am Anfang eigentlich seine Brötchen verdiente.

Walter L. Cherry gründete die Cherry Electrical Products Corporation im Jahre 1953. Im Highland Park, Illinois/USA, stellte CHERRY dann erstmals Schnappschalter her. 1963 fand dann die Gründung der POPP-Cherry GmbH in Bad Berneck im Fichtelgebirge statt. Die POPP-Cherry GmbH montierte hier die Schnappschalter für den deutschen Markt. Ein Jahr darauf erfolgte, ebenfalls in Bad Berneck, die Gründung der Cherry Mikroschalter GmbH. Der Standort sollte sich jedoch bald ändern, schon 1966 zog Cherry nach Bischofsgrün, ebenfalls im Fichtelgebirge.

Aufgrund des großen Wachstums errichtete CHERRY 1967 ein neues Gebäude für Verwaltung, Entwicklung und Produktion von Schnapp- und Kodierschaltern. Somit zog CHERRY aus dem Fichtelgebirge in die neuen Betriebsstätten in Bayreuth, in welcher die ersten Tastaturen gefertigt wurden, zur Belieferung des deutschen und EG-Marktes. In Neustadt in der Oberpfalz entstand 1970 der erste Zweigbetrieb. 1971 mussten dann auch schon die Produktionsflächen in Bayreuth verdoppelt werden.

Nur zwei Jahre darauf gründete CHERRY einen weiteren Zweigbetrieb, erneut in der Oberpfalz, genauer in Auerbach. Für diesen neuen Standort kaufte CHERRY 1974 ein großes Gewerbegrundstück, woraufhin bereits ein Jahr später vom Firmengründer Walter L. Cherry der Grundstein für den Baubeginn des neuen Werkes gelegt wurde. Zu dieser Zeit besaß CHERRY in Deutschland drei Werke, und zwar in Bayreuth, Neustadt und Auerbach. Die letzten beiden Werke wurden 1977 im neuen Werk Auerbach zusammengefasst. Hier wurden Produkte der Elektronik gefertigt, im Werk in Bayreuth fertigte CHERRY Produkte der Elektromechanik. Die Zahl der Mitarbeiter betrug zu dieser Zeit insgesamt 230.

Betriebssport Cherry Fußball (1977)
Betriebssport Cherry Fußball (1977)

Bereits 1978 unterhielt CHERRY neben den deutschen Betriebsstätten auch Werke in den USA, England und Japan. Es wurden Schnapp-, Vorwahl- sowie Automobilschalter, Eingabe-Tasten und Tastaturen gefertigt und an alle Weltmärkte geliefert. 1979 stieg die Mitarbeiterzahl nach einem Ausbau des Werkes Auerbach auf 430. Zudem expandierte CHERRY auf den wichtigsten Märkten. Ein sehr ereignisreiches Jahr war 1983: In diesem Jahr feierte nicht nur das Werk in Auerbach sein zehnjähriges Bestehen, es hielten auch Vollautomaten Einzug in die Produktion, der Umsatz überschritt die 25-Millionen-Euro-Marke und außerdem wurde der ferne Osten als Markt erschlossen.

20 Jahre Cherry in Deutschland (1983)
20 Jahre Cherry in Deutschland (1983)

Für die Fertigung aller Tastenköpfe der CHERRY-Tastaturen wurde 1984 die Plastech GmbH in Bayreuth gegründet. Schon sechs Jahre nach der letzten Erweiterung des Auerbach-Werks, im Jahr 1979, wurde dann 1985 eine weitere Expansion in dieser Produktionsstätte gestartet. Dadurch stieg die Mitarbeiterzahl auf 1.070 und der Umsatz auf über 60 Millionen Euro. Die Entwicklung neuer Tastaturen startete ebenfalls zu diesem Zeitpunkt.

Ein weiterer Meilenstein stellte der Bauabschnitt 4 im Jahr 1987 dar, der die Nutzfläche um ca. 3.600 Quadratmeter erweiterte. Zu diesem Zeitpunkt fand auch eine hohe Investition in die Automatisierung statt, um die Produktivität zu steigern. Auch das erreichte der Hersteller sehr schnell, denn noch im gleichen Jahr stieg die Mitarbeiterzahl auf 1.200 und der Umsatz auf über 75 Millionen Euro. Im Jahr 1989 erwirtschaftete CHERRY mit seinen 1.400 Mitarbeitern einen Umsatz von über 100 Millionen Euro. Weitere Neuerungen wie die Errichtung des Logistikzentrums, einer weiteren Produktionshalle sowie eines modernen Verwaltungsgebäudes, ebneten den Weg zu einem stetig steigenden Wachstum.

Neubau Geschäftshochhaus Auerbach (1989)
Neubau Geschäftshochhaus Auerbach (1989)

Durch weitere Entwicklungen war es notwendig, im Jahr 1993 eine Fertigungsstätte in Ostrov, Tschechien zu gründen. Schalter, welche hier in Handmontage produziert wurden, konnten nicht in Deutschland gefertigt werden, da die Herstellung sich als sehr arbeitsintensiv erwies. Im Laufe der Jahre kristallisierte sich eine klare Fokussierung, welche 1996 offiziell wurde. Die Automobilmärkte sowie die Märkte der Computereingabegeräte sollten das Kerngeschäft darstellen. CHERRY platzierte sich als Applikationsspezialist und Problemlöser. Schnell wurde der Tastatur-Hersteller vom Komponenten-Hersteller zum innovativen Partner für Subsysteme. Zudem kam die Entwicklung neuer Standardprodukte und kundenspezifischer Bauteile/Baugruppen mit neusten Technologien und Kernkompetenzen hinzu.

Zur gleichen Zeit wurde das neue Werk in Bayreuth-Wolfsbach eingeweiht. Dieses umfasste neben den ehemaligen Mitarbeitern aus den Werken Bayreuth und Plastech auch neue Arbeitsplätze. Von diesem Zeitpunkt an wurden hier neue Subsysteme in Mechatronik-Technologie, unter anderem für die Automobilindustrie, gefertigt. Die Tastenköpfe für Tastaturen wurden ebenfalls im Werk Wolfsbach produziert. Im Bereich Computer-Tastaturen wurde CHERRY 1997 europäischer Marktführer. Nicht nur bei Standard-Tastaturen, sondern auch bei Modellen, welche mit zusätzlichen Funktionen und der Erkennung von biometrischen Merkmalen ausgestattet wurden. Hierzu zählen Magnetkarten- und Chipkarten-Lesetastaturen für Zugangskontroll- und Zahlungsvorgänge im Internet sowie Fingerprint-Tastaturen.

Besuch von Angelika Merkel am Messestand (1998)
Besuch von Angela Merkel am Messestand (1998)

Ein weiteres Werk in Tschechien, genauer in Klasterec, wurde 1998 eröffnet. Es nahm alle Mitarbeiter des ehemaligen Werks in Ostrov auf, außerdem stieg die Mitarbeiterzahl in Tschechien auf 500. Allein CHERRY Europa mit Betriebsstätten in Deutschland, England, Frankreich, Italien, Hong Kong und Tschechien, mit insgesamt 2.141 Beschäftigten, erzielte einen konsolidierten Umsatz von 192 Millionen Euro. 2008 zog sich der Sohn des Firmengründers Walter Cherry, Peter Cherry, aus Altersgründen aus dem Unternehmen zurück. Ein Nachfolger aus der Familie konnte leider nicht ermittelt werden. Daher wurden im gleichen Zeitraum Käufer gesucht.

Am 31. Oktober 2008 wurde die Cherry Corporation durch die ZF Friedrichshafen AG übernommen, die dann zum neuen Mutterkonzern wurde. Die Umfirmierung zur ZF Electronics GmbH fand am 18.11.2008 statt. Am 01.08.2011  wurde die ZF Electronics GmbH mit der ZF Friedrichshafen AG verschmolzen. In der Division Industrietechnik wurde von nun an das Geschäftsfeld „Elektronische Systeme“ geführt.

Am 1. Januar 2016 gliederte die ZF Friedrichshafen AG den Unternehmensbereich „Computereingabegeräte“ als CHERRY GmbH wieder aus, während die restlichen Unternehmensbereiche beim Mutterkonzern verbleiben. Somit ist die CHERRY GmbH eine 100%ige Tochter der ZF Friedrichshafen AG.

Die CHERRY GmbH entwickelt und produziert Computereingabegeräte und Komponenten für die Industrie und den Heimgebrauch. Die Marke ist dank der preisgekrönten MX-Serie zum Synonym für qualitativ hochwertige, mechanische Tastatur-Schalter geworden und wird weithin für seine langlebigen, mechanischen Tastaturen für den Endverbraucher und fürs Büro respektiert. Zu letzteren Bereich zählen auch Geräte wie Chipkarten-Leser, Smart-Terminals und IP68-zertifizierte, wasserdichte Tastaturen. In den USA ist CHERRY auch für seine POS-Tastaturen (Point of Sales) bekannt, die im ganzen Land in vielen größeren und kleineren Geschäften zum Einsatz kommen.

Werk Auerbach
Werk Auerbach